Nirgends geht der Film jedoch darauf ein, dass Joseph Ratzinger schon als Präfekt der Glaubenskongregation Hunderte Priester laisierte, unzählige Missbrauchsopfer traf und Bischöfe zur Aufklärung anhielt. Dass mehrere Diözesen, vor allem in den USA, hohe Entschädigungszahlungen leisteten, wird ebenfalls mit keinem Wort erwähnt. Stattdessen wird insinuiert, dass es eine Art privates Geheimarchiv Ratzingers zu Missbrauchsfällen geben müsse, das vor der Öffentlichkeit verborgen werde, um seine Nachsicht mit Missbrauchstätern zu verschleiern. Belegen soll dies eine fehlende Protokollnummer in einem Dokument, das bereits 2023 der Bayerische Rundfunk skandalisiert hatte: der „Traubensafterlaubnis“ aus dem Jahr 1986 für den Priester H., der sich in den Diözesen Essen und München an Minderjährigen vergangen hatte.